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Stadtverband Leipzig der Kleingärtner e.V.
"Heilende Pflanzen vor unserer Haustür"
(Leipziger Gartenfreund 2/18)

Blühende Erdkastanie. Foto: Dr. H. Pohl
Die Erdkastanie (Bunium bulbocastanum) ist eine Vertreterin der Doldenblütler, die u.a. als Kümmelersatz genutzt wird. Deshalb ist sie auch als echter Knollenkümmel bekannt.

Die Erdkastanie ist lt. Literatur von Europa bis Indien zu finden. Es ist eine sehr genügsame Pflanze, die kleine Horste bildet und das ganze Jahr grün bleibt. Sie wächst in normalem Gartenboden, liebt Ton, kommt mit Schatten und Sonne zurecht und wird im Laufe der Jahre nur langsam umfangreicher. Ist es im Sommer zu trocken, zieht sie ein und treibt im Herbst erneut aus.
Die Blätter sind zwei-, dreifach gefiedert und glatt. Sie werden ca. 20 cm hoch und wirken dreieckig. Weiße Blütendolden entwickeln sich auf steifen Stängeln, die sehr robust, etwa 30 bis 40 cm hoch sind und denen auch ein kräftiger Wind nichts anhaben kann.
Die Blüten werden von Käfern und Fliegen besucht, die auch die Bestäubung übernehmen. Die reifen Spaltfrüchte können ab August geerntet werden. Die Vermehrung erfolgt über die Früchte und durch Selbstaussaat. Die Teilung älterer Pflanzen ist möglich.
Eine Pflege der Pflanzen ist kaum nötig. Geerntet und genutzt werden hauptsächlich die Wurzelknollen. Dazu wird die   Pflanze ausgegraben. Im ersten Jahr befindet sich eine Knolle an den Wurzeln, in den Folgejahren mehrere. Die Knollen werden entfernt und die Pflanze wieder in die Erde gesetzt. Die Knollen enthalten vor allem Gerbstoffe und Vitamin C. Sie können roh verzehrt oder gegart werden. Außerdem dienen sie als Suppenwürze. Der Geschmack ähnelt dem der Petersilie, nur etwas süßer. Die Samen, die ätherische Öle, Aldehyde und Terpene enthalten, und die Blätter werden als Kümmelersatz und Geschmacksverstärker genutzt. Die Samen sind auch als „schwarzer Cumin" bekannt. Die Inhaltsstoffe der Pflanze wirken harntreibend, entwässernd, adstringierend und potenzsteigernd.
In arabischen Ländern wird die Erdkastanie meist als Gewürz genutzt. Im Sahih al Buchari, einem wissenschaftlichen Werk aus dem 10. Jahrhundert, wird die Erdkastanie bereits als Heilpflanze erwähnt. Oft wird die Erdkastanie mit der südlichen Erdkastanie (Oenanthe pimpinelloides) verwechselt. Diese Art ist leichter zu kultivieren und besitzt mehrere Knollen, die sich direkt unter dem Stängel befinden.
Tabernaemaontanus (1522-1590) schrieb über die Erdkastanie:
So man die Wurzeln schelet darnach in einer Fleischbrühe sudet mit ein wenig gestossenem Pfeffer zu einem kurtzen Brühlein ist es eine anmüthige und liebliche gesunde Speiß denn sie nehret den Leib wol und bringet Lust zu ehelichen Werken.
Im Botanischen Garten Großpösna-Oberholz ist diese fast vergessene Gemüsepflanze zu finden.
                                                                                                                                                       Dr. Hannelore Pohl

• Zur „Haus-Garten-Freizeit" vom 10. bis zum 18. Februar sind Mitarbeiter des Botanischen Gartens am Ausstellungsstand G17 / H18 der Kleingärtner in der Halle 1 vertreten.
Wir laden Sie herzlich zu Mitmachaktionen und zum Kräutertag (12.-bis 14. Februar) ein.

 

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